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Weltweit – Südsudan P. Alan

Weltweit

Was machen die Herz-Jesu-Missionare in der ganzen Welt eigentlich so? Da uns unser Gründer, P. Jules Chevalier, mitgegeben hat, dass es nicht wichtig ist, was wir tun, sondern wie wir es tun, gibt es da eine große Vielfalt, die sich immer an den Nöten vor Ort orientiert. Da es vielen Ländern und damit auch den lokalen MSC-Provinzen schlicht an finanziellen Möglichkeiten mangelt, werden viele der Projekte dort durch Spenden und Zuwendungen durch Provinzen, respektive Menschen aus reicheren Ländern unterstützt und manchmal erst ermöglicht. Da greift ein Glied ins andere. In unregelmäßigen Abständen möchten wir Ihnen einige der weltweiten MSC-Projekte vorstellen. Heute:

 

Universitäre Bildung im Südsudan

Der irische Volksmund besagt, dass einer, der einen guten Graben gräbt, nicht von weiteren Aufgaben freigestellt wird, sondern stattdessen eine größere Schaufel bekommt. Offenbar hat dieser Spruch sich auch im Südsudan herumgesprochen. Zusätzlich zu seiner Arbeit in der Loretoschule wurde P. Alan aus der irischen Provinz nun zusätzlich von der Diözese Rumbek gebeten, beim Aufbau und der Leitung der örtlichen katholischen Universität zu helfen.

Iren-Suchbild vor der Unibibliothek in Rumbek (Tip: ziemlich links)

Universität klingt erst einmal ganz großartig, aber Universität im jüngsten und ärmsten Land der Erde ist dann doch ziemlich anders. O-Ton P. Alan: “Wir haben ein Dach, aber keine Decke; Fenster, aber kein Glas und einen Boden ohne Fliesen. Je weniger über die beiden Grubentoiletten auf dem Campus gesagt wird, desto besser. Erst heute hatten wir einen Reinigungsdienst da, der sich um den Fledermausbefall in der Bibliothek, die auch als Büro dient, gekümmert hat. Wenn während einer akademischen Sitzung ständig Kot auf den Schreibtisch fällt, ist das, gelinde gesagt, störend.“

Ursprüngliche Überlegungen, wegen des baulichen Zustands und mangelnder finanzieller Ressourcen die Uni ganz zu schließen, blieben theoretischer Natur, weil man das den aktuell 59 Frauen und Männern nicht zumuten wollte, die derzeit dort studieren. Obwohl es momentan nur zwei Studiengänge gibt (Betriebswirtschaftslehre und Lehramt mit Schwerpunkt Englische Literatur), sind alle engagiert und begeistert dabei. Trotz einiger gewöhnungsbedürftiger Realitäten, z.B. einem Computerkurs ohne Computer, stattdessen mit einer Windows-Startseite als Zeichnung an der Tafel. Da bekommt der Begriff „theoretische Informatik“ eine ganz neue, fundamentale Bedeutung. Gott sei Dank kooperieren die Ordensgemeinschaften vor Ort, so dass die Studenten den Kurs bei einer nahe gelegenen Jesuitengemeinschaft besuchen konnten – mit echten Computern!

 

Ob vorne oder hinten – es muss gehen

Eine Schließung der Uni hätte katastrophale Folgen, da sie nicht nur Bildung vermittelt, sondern auch zur Veränderung bisher bestehender sozialer Verhältnisse beiträgt. So verließ eine Frau in der sudanesischen traditionellen Kultur die formale Bildung (Schule, Uni), sobald sie ihr erstes Kind bekam, um sich ganz auf die Kindererziehung und die Subsistenzlandwirtschaft zu konzentrieren. Mittlerweile gibt es jedoch schon eine Reihe junger Mütter, die mit ihrem Neugeborenen unter dem Arm (oder auf dem Rücken) zum Studium zurückkehren. Das ist etwas völlig Neues und weithin beispiellos, und alle vor Ort suchen nach Möglichkeiten, die Studentinnen und ihre jungen Familien zu unterstützen. Die Idee von P. Alan, an der Uni eine Kinderkrippe zu schaffen, erntete bisher aber nur verständnislose Blicke. Das ist noch ein weiter Weg.

 

 

Alan mit einem der Unidozenten

So wie der Weg des jungen Landes nach der Loslösung vom Sudan noch dauern wird. Während dort der Bürgerkrieg nach wie vor heftig fortgeführt wird, kommt der Südsudan offenbar langsam in ruhigere Fahrwasser. Damit das weitergehen kann, braucht die Gesellschaft dringend gut ausgebildete, engagierte Lehrer und innovative Geschäftsleute, um sich langfristig von äußeren Hilfen unabhängig machen zu können. Da können die in der Regel bestausgebildeten Ordensleute eine große Hilfe sein, als Pädagogen oder als Dozenten in Ethik, Management, Wirtschaft und Bildung. Die Hoffnung ist groß, so wie das Engagement aller.

O-Ton P. Alan:

„Ich habe heute mit einem der Dozenten gesprochen, als wir den letzten Fledermauskot von meinem Schreibtisch entfernten, und er sagte, dass wir in fünf Jahren zurückblicken und wohl lachend zurückschauen werden auf das, was wir alles durchgemacht haben, um ein echtes College der dritten Ebene zu werden. in der Zwischenzeit gibt es eine Menge Arbeit zu tun. Ich sollte besser meine größere Schaufel holen.“ Im Garten Gottes, auf dem Weg zu Leben in Fülle, gibt es noch eine Menge zu tun.

P.s.: Durch eine neue Decke in der Bibliothek, gespendet von irischen Unterstützern, hat sich das Fledermausproblem mittlerweile erledigt.

(Quelle: Irische Provinz der MSC)

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