Was machen die Herz-Jesu-Missionare in der ganzen Welt eigentlich so? Da uns unser Gründer, P. Jules Chevalier, mitgegeben hat, dass es nicht wichtig ist, was wir tun, sondern wie wir es tun, gibt es da eine große Vielfalt, die sich immer an den Nöten vor Ort orientiert. Da es vielen Ländern und damit auch den lokalen MSC-Provinzen schlicht an finanziellen Möglichkeiten mangelt, werden viele der Projekte dort durch Spenden und Zuwendungen durch Provinzen, respektive Menschen aus reicheren Ländern unterstützt und manchmal erst ermöglicht. Da greift ein Glied ins andere. In unregelmäßigen Abständen möchten wir Ihnen einige der weltweiten MSC-Projekte und ihr Umfeld vorstellen. Heute: Haiti
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Haiti, in früheren Zeiten eine blühende französische Provinz, gilt heute als das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Dafür sorgen regelmäßige Naturkatastrophen (Erdbeben, Wirbelstürme…) und politische Instabilität und Ausbeutung des Landes durch die – legalen oder illegalen – Mächtigen. Dies begann mit der ursprünglich freien Wahl von Francois Duvalier (Papa Doc) 1957 zum Präsidenten, der sich 1964 zum Herrscher auf Lebenszeit erklärte, das Land diktatorisch führte, mit einer ihm treuen Miliz unterdrückte und den Reichtum des Landes in die eigenen Taschen fließen ließ. Kurz vor seinem Tod 1971 übergab er die Regierung an seinen 19-jährigen Sohn Jean-Claude (Baby Doc), unter dem das Land nicht weniger litt, von dem es sich aber in einer unblutigen Revolution 1986 befreien konnte. Heute ist Haiti eigentlich eine parlamentarische Demokratie, die Macht ist aber in den Händen von gewalttätigen Banden, denen selbst die UNO-Soldaten (ca. 7000), die das Land stabilisieren sollen, nicht gewachsen sind.
Die Zahl der Menschen, die sich innerhalb von Haiti wegen nicht endender Bandengewalt und dem Zusammenbruch jeglicher staatlicher Grundversorgungsstrukturen auf der Flucht befinden, hat sich von Dezember 2023 (315 000) bis Dezember 2024 verdreifacht (1 014 100), bei einer Bevölkerungszahl von ca. 9 000 000.
MSC Kinderpastoral
Phanord Désinord, Herz-Jesu-Missionar und Student im zweiten Jahr der Theologie lässt uns an seinen Gedanken zur prekären Situation teilhaben:
Welche Mission haben wir heute inmitten eines verängstigten Volkes?
Wir, die Herz-Jesu-Missionare in Haiti, befinden uns in Croix-des-Bouquets in zwei kleinen Ortschaften, die etwa 8 km voneinander entfernt liegen: In Santo 19 befindet sich unser Ausbildungshaus Kay Chevalier, in der die MSC-Studenten untergebracht sind; in Lizon/Bon-Repos betreuen wir die Pfarrei Notre Dame du Sacré-Cœur, ein Gebiet, das etwa 12 km nördlich von Port-au-Prince liegt.
MSC Santo 19
Heute sehen wir uns mit einer humanitären Krise konfrontiert, die sich in Gewalt und Bruderkämpfen äußert, die unsere Würde mit Füßen treten, unsere Menschlichkeit entstellen und das Image des Landes entehren. Die vielen Stunden des Schreckens und der Angst fordern uns zutiefst heraus. Aufgrund unseres Glaubens an unseren Gott fordern sie uns auf, zusammenzuarbeiten und eine Zukunft aufzubauen, in der das Leben jedes Einzelnen geachtet und geschützt wird. Denn welch andere Mission könnte es geben für unser offensichtlich zerrissenes, desorganisiertes haitianisches Volk, das den Sinn für das Gute verloren hat, das Gemeinwohl nicht mehr verteidigt und das Gemeingut nicht mehr schützt? Welch andere förderliche Missionstätigkeit für unser Pastoralgebiet, in dem die Menschen ohne Gesundheitsversorgung, Sicherheit, sauberes Wasser, Bildung und andere staatliche Hilfen auskommen müssen, wäre hilfreich? Welch andere Aufgabe angesichts unseres Charismas, in der Welt das Herz Gottes zu sein, das immerwährende und wirksame Heilmittel für die Übel unserer Zeit stünde für uns an?
MSC Kinderpastoral
Unser Charisma kann in dieser Situation in erster Linie nur eine Einladung zur Bekehrung der Herzen und zur kollektiven Erinnerung daran sein, dass wir ein einziges Volk, eine einzige Nation sind. Das versuchen wir in einer intensiven Familien-, Jugend- und Kinderpastoral, in der wir die Verantwortung füreinander fördern und v.a. den Kindern universale Werte zu vermitteln versuchen.
MSC Lebensmittelhilfe
Zur konkreten sozialen Hilfe dient ein Gesundheitszentrum in der Pfarrei und die Bereitstellung eines Trinkwassersystems (Eau Chevalier) in der Pfarrei und im Ausbildungshaus, das auch der Bevölkerung zur Verfügung steht. Viele Menschen klopfen täglich an unsere Tür, weil sie kein Essen, kein Schulgeld für ihre Kinder, keine Unterkunft haben, kein…… . Daraus wiederum wächst die Gefahr, sich den Banden anzuschließen, um so die Familie versorgen zu können. Ein Ziel für die Zukunft ist es, den Jugendlichen in einer Berufsschule Fähigkeiten zu vermitteln, mit denen sie sich selbst aus dieser prekären Situation befreien können. Das wird nicht ohne Unterstützung von außen gehen. Aber wir hoffen, mit dem wenigen, das wir geben können, ein katalytisches Element zum Nutzen der Menschen in unserer Umgebung werden zu können.
MSC Studenten