Br. Georg Keim MSC *1928

Br. Georg, *1928, stammt aus Berg, einem kleinen Dorf bei Donauwörth im bayerischen Schwaben. Er gehört zur Generation derer, die als Jugendliche am Ende des 2. Weltkrieges noch eingezogen wurden, um zu retten, was nicht mehr zu retten war. Ohne Rücksicht auf Verluste. Das hat ihn sehr geprägt. Wie oft hat er – solange er sich noch erinnern konnte – davon erzählt: Vom Obersalzberg, wo sie – alle gerade mal 16 Jahre alt – Hitler am Ende des Krieges schützen sollten; von den aberwitzigen Sprüchen, mit denen man sie bei der Stange halten wollte („Wir essen Löwen, Tiger, Schlangen, wenn´s sein muss auch Telegrafenstangen.“). V.a. erzählte er immer wieder von seiner abenteuerlichen Heimkehr. Zu Fuß vom Berchtesgadener Land ins Schwäbische, in den Taschen größere Restbestände von Schokolade für seine Mutter – bis sie ihm ein amerikanischer GI bei einer Kontrolle abnahm. Das war traumatisierend, mit leeren Händen heim zu kommen. Vermutlich für alle! Für ihn ganz besonders.

Denn sein Vater war schon gestorben, der ältere Bruder gefallen. Er war nun der Mann im Haus und in der kleinen Landwirtschaft, die nicht genug abwarf, um wirklich davon leben zu können. Aber das Schwerste für ihn war, eine Berufung und Sehnsucht fürs Ordensleben zu spüren – und gleichzeitig Verantwortung für seine Mutter. Wie sollte das zusammengehen?!

Ein erster Versuch, die Gründung einer kirchlichen Jugendgruppe im Dorf, deren Leiter er auch wurde, befriedigte seine Sehnsucht nicht wirklich. Im Gegenteil, er wurde zunehmend betrübt, so unglücklich, dass er nicht einmal mehr sang (was er heute noch gerne tut). Erst als die Mutter ihn darauf ansprach, „beichtete“ er ihr seinen sehnlichsten Wunsch – und erlebte so etwas wie Erlösung. Die Mutter gab ihn frei, das, was vorher unmöglich schien, nämlich ihren Unterhalt zu sichern, gelang nun auch ohne ihn.

Über die Donauwörther Mitbrüder bekam er Kontakt mit den MSC, trat bald darauf ins Noviziat ein und hoffte wie so viele auf Aussendung in die Mission. Er war neugierig, wollte lernen, Neues erfahren – aber sein Wunsch Richtung Papua oder Afrika erfüllte sich nicht. Er hätte vermutlich die Enttäuschung besser verkraftet, wenn er die allgemeine Haltung, „Nur die Besten kommen in die Mission“, nicht so persönlich genommen hätte. Und die Versetzung in den Schweinestall in Birkeneck! Nicht die Tatsache an sich war kränkend für ihn, abgesehen von der sehr kurzfristigen – und damals auch noch fraglosen – Versetzung. Viel mehr waren es die Stimmen im Dorf bei den Heimatbesuchen. Dazu war er ja nicht ausgezogen! Schweinestall galt offenbar als das Unterste.

Bei objektiverer Betrachtung wäre sicher auch eine andere, weniger kränkende Sicht möglich gewesen, nämlich die, dass die Oberen einfach sein Charisma erkannten: den guten, wohlwollenden Umgang mit jungen Menschen. So war er zwar meist in der Landwirtschaft oder später in Haus und Garten eingesetzt, aber immer im Kontakt mit jungen Menschen: Lange Jahre in den Jugendeinrichtungen des Ordens für Schwererziehbare, wie man sie damals nannte, später in Innsbruck als Ansprechpartner für die Studenten im Haus. Sie lagen ihm buchstäblich am Herzen (und zu Füßen!). Das merkten sie auch und honorierten es. Nicht selten durch „Besserung“ ihres Verhaltens – liebevolles Verständnis verändert eben doch. Außer bei Katzen. Sein „Peterle“ kratzte ihm trotz aller Fürsorge mehrfach die Hände blutig. Er ertrug es mit dem Hinweis auf die schwere Kindheit des Katers. Er wusste ja am besten, wovon er sprach.

Die freie und relativ selbständig planbare Zeit im Schweinestall von Birkeneck ermöglichte ihm aber auch einiges Neue: Er begann zu malen, in Öl – und das sehr gut. Bis hin zu Auftragsarbeiten. Und er fing an, Segelflieger zu bauen. Nicht als Bausatz, sondern alles schön einzeln und von eigener Hand hergestellt. Den möglichen Flugscheinkurs in einem richtigen Segler brach er ab, nachdem der Fluglehrer, „ein Sozi“ und damit nahe am Leibhaftigen, dachte, ihm bereits in der ersten Stunde zeigen zu müssen, was mit dem Ding alles möglich war. Die Schilderung des Zustands seiner Nackenmuskulatur nach dem „Flug“, war auch nach Jahrzehnten noch ausgesprochen eindrücklich. Das war´s mit mitfliegen. Seine eigenen ließ er weiter steigen bis ins hohe Alter – stilgerecht neben dem Innsbrucker Flughafen. Ganz malerisch!

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