Bibel hautnah: Ostervorbereitung

Unter dieser Rubrik möchten wir uns mit Ihnen in unregelmäßigen Abständen Zeitthemen nähern und sie mit Stellen der Bibel verknüpfen – in mitunter unkonventioneller Deutung. Aber immer nah am Zeitgeschehen und damit auch an uns Menschen. Bibel hautnah eben.

Joh 15.13: Es gibt keine größere Liebe, als dass einer sein Leben hingibt für
seine Freunde.
Mt 28,20: Seid gewiss, ich bin bei euch bis zum Ende der Welt.

Ostervorbereitung

Ostern ist für viele Menschen ein schwieriges Fest. Es fordert uns heraus, Ketten zu sprengen, an die wir uns oft schon ein Leben lang gewöhnt haben. Der erste Teil des Triduums, Gefangennahme, Kreuzweg und Kreuzigung, ist in der Regel gedeckt durch eigene persönliche Erfahrungen von Unfreiheit, zugefügtem Schmerz und Ohnmacht, die es in jedem Leben gibt. Damit können wir uns gut identifizieren, das kennen wir, nicht nur durch den Blick des Nichtbetroffenen in die Welt um uns herum, das kommt in den besten Familien vor, wenngleich natürlich – objektiv betrachtet – in völlig anderen Dimensionen. Subjektiv ist uns das eigene Leid, solange es nicht aufgearbeitet ist, aber immer näher – wenn es unsere Verdrängungsmechanismen zulassen.
Die alte Satisfaktionstheorie des Kreuzestodes von Anselm von Canterbury aus dem 11. Jahrhundert, die besonders in den traditionellen Kreisen der Kirche wieder besonders en vogue ist, tut ein Übriges dazu. Sie bestätigt, dass es gut ist, sich nicht zu wehren, das Leid auszuhalten und so den zornigen Elternteil (oder eben auch Gott-Vater) zu beschwichtigen und so zu „versöhnen“. Woher er das wohl hatte! Leider funktioniert das erfahrungsgemäß bestenfalls, wenn überhaupt, bis zum nächsten Konflikt und endet letztlich im Absterben aller eigenen Gefühle. Das kann unser Kreuz sein, schlicht die Folge unserer Geschichte. Am Ende: Emotionale Grabesruhe! Karsamstag! Gut, wenn wir es wenigstens bis hierhergeschafft haben. Wenigstens nicht mehr leiden, nichts mehr spüren müssen.
Auferstehung wäre theoretisch schön – ist aber als Erfahrung nicht im emotionalen Portefeuille. Wer sollte den Stein wegrollen, damit es Ostersonntag werden kann?
Immerhin ist Grab besser als Kreuz. So tuckern wir die Hoffnung da fest: auf keinen Fall zurück. Hoffentlich bleibt es wenigstens so! Immunisiert, scheinbar unverletzlich, auf jeden Fall fern jeder zornigen und verletzenden Autorität.

MSC

Wer rollt den Stein weg? Wer zeigt den Weg aus dem Grab und ins Leben? Wer kann die Immunisierungen zum Schmelzen bringen? Der Sohn, der uns zum Vater führt und uns zeigt, wie der wirklich ist: wie er selbst. Wer mich sieht, sieht den Vater. (Joh 12,45). Der Sohn, der uns in seinem Tod und seiner Auferstehung die eigentliche Erlösung schenkt:
Im Tod
Es gibt keine größere Liebe, als dass einer sein Leben hingibt für seine Freunde. (Joh 15.13)
In der Auferstehung
Seid gewiss, ich bin bei euch bis zum Ende der Welt. (Mt 28,20)
Weil nur die Liebe, die sich beweist, uns aus dem Grab retten kann! Nur sie kann unsere Zweifel und Ängste langsam kleiner werden lassen kann, uns den Wert geben, den wir suchen und uns vom Alten erlösen („für uns gestorben“). Eine Liebe, die unserer Hoffnung neuen Raum gibt und eine neue Aufgabe: Vom hoffentlich wird´s bei Gott nicht wieder so, wie ich es kenne, hin zur Ablösung vom Alten und zur Freude auf das Neue. Auferstehung!
Ermutigt dadurch, dass diese Liebe eine ist, die bleibt. Für immer! Das verändert uns, das verändert die Welt! Wenn wir IHM trauen und in Ihm auch den guten Vater sehen können. Das setzt voraus, dass wir uns eine Chance geben wollen! Hinaus ins Leben! Darauf gilt es sich vorzubereiten in dieser Zeit.

 

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