Bibel hautnah – Die Arbeiter im Weinberg Mt 20,1-16

Bibel hautnah

Unter dieser Rubrik möchten wir uns mit Ihnen in unregelmäßigen Abständen Zeitthemen nähern und sie mit Stellen der Bibel verknüpfen – in mitunter unkonventioneller Deutung. Aber immer nah am Zeitgeschehen und damit auch an uns Menschen. Bibel hautnah eben.

Mt 20,1-16: Die Arbeiter im Weinberg

Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich (zu anderen) gütig bin? So werden die Letzten die Ersten sein und die Ersten die Letzten.

Pixabay Kevin Schneider„Ja wo bleibt denn da die Gerechtigkeit“ – liegt einem sofort auf der Zunge, wenn man zu den ersten gehört. „Das ist doch der Hammer, da müssen sich doch die betrogen fühlen, die sich den ganzen Tag reingehängt haben. Und das soll auch noch der neue Standard werden, dass die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten werden. Auf die Gerechtigkeit kann ich verzichten!“ So oder ähnlich könnte man sich die Reaktion der Männer der ersten Stunden vorstellen.

Die Letzten werden das naturgemäß ganz anders sehen, sich vielleicht wundern über diesen Chef, der so ganz anders handelt wie alle anderen vorher. Sie werden sich über ihren Lohn freuen, aber vielleicht auch nicht wirklich verstehen und sich fragen, was da vor sich geht, was das bedeuten oder bewirken soll. Gute Frage!

Die stellten sich die Jünger sicher auch, die direkt vor dieser Stelle konkret nachgefragt hatten, welchen Lohn sie für ihre Nachfolge bekämen. Die Antwort Jesu: Das Hundertfache dessen, das sie zurückgelassen hatten. Aber was macht man mit hundert Vätern oder Müttern …… und all dem Besitz (Mt 20,29)? Auch diese Antwort Jesu ist wohl nur so zu verstehen, dass er zusammen mit dem Weinberggleichnis darauf hinweisen will, dass der Lohn im Reich Gottes ein ganz anderer sein wird. Ein Lohn, der aus dem Herzen kommt.

Pixabay Kevin Schneider

Ist der Lohn für die Letzten nicht gerade einer, der nur aus dem Herzen kommen kann? Wo einer versteht, wie es dem anderen ergehen muss, wenn er für niemanden wichtig ist, nicht einmal für einfachste Arbeit. Wie es einem gehen muss, wenn alle an einem vorbeigehen und nur ablehnend den Kopf schütteln oder ihn schlicht ignorieren. Den ganzen Tag über. Wie es einem gehen muss, der eine Familie zu versorgen hat und nichts mit nach Hause bringt. Warum auch immer. Hier weist Jesus darauf hin, wie Gott handelt: immer mit Herz.

Manchmal gilt das auch für Menschen! So finden wir in diesem Gleichnis Rilkes Rose für die Bettlerin wieder, die Botschaft St- Exuperys, dass das Herz Gründe hat, die der Verstand nicht kennt und die vielen kleinen, meist unbekannten guten Taten vieler Menschen. Wo die Liebe eben tiefer blickt und deshalb auch anders handeln kann.

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