Bibel hautnah
Unter dieser Rubrik möchten wir uns mit Ihnen in unregelmäßigen Abständen Zeitthemen nähern und sie mit Stellen der Bibel verknüpfen – in mitunter unkonventioneller Deutung. Aber immer nah am Zeitgeschehen und damit auch an uns Menschen. Bibel hautnah eben.
1 Kön 19,11-13: Die Zukunft gehört den Herzlichen
Wenn man den gegenwärtigen Zustand der Welt betrachtet, könnte man verzweifeln. Dabei war sie nie anders, es ist uns nur wieder näher gerückt. Kriege gab es zu allen Zeiten, dass Menschen über andere herrschten und glaubten, das hieße auch, über deren Leben und Tod bestimmen zu dürfen, ist zeitlos. Ebenso, dass Menschen deshalb die Theodizeefrage stellen:
Wo ist Gott, wenn die Welt so ist? Noch überspitzter: Gibt es Gott überhaupt? Wenn es ihn gibt, warum greift er nicht ein? Er hat doch versprochen, uns zu retten und ins Heil zu führen, in ein Leben in Fülle! Er ist doch allmächtig!
Natürlich ist die Existenz Gottes grundsätzlich eine Glaubenssache, aber es sind ja gerade die Glaubenden, die diese Fragen stellen. Und sich Veränderung und Rettung erhoffen. Aber was sollte Gott denn tun?
- Alternative: Alle töten, die ihre Macht missbrauchen.
Wäre er dann nicht auch nur wie wir Menschen! Und selbst wir würden das nicht einmal tun, z.B. das eine Kind töten, weil es das andere beherrscht oder quält. Es sind ja beide unsere Kinder, so wie wir alle Kinder Gottes sind. Auch die Bösen und Gewalttätigen.
- Alternative: Er könnte die Bösen doch zwingen, anders zu handeln!
Auch dann wäre Gott nicht anders als wir Menschen. Zwingen kann die Liebe nicht. Deren Grundvoraussetzung ist die Freiheit, d.h. sie zerstört sich selbst, wenn sie zwingt. Das ist die Ohnmacht der Liebe.
- Alternative: 1 Kön 19,11-13

„Der Herr sprach: Geh heraus und tritt hin auf den Berg vor den Herrn! Und siehe, der Herr ging vorüber. Und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, kam vor dem Herrn her; der Herr aber war nicht im Wind. Nach dem Wind kam ein Erdbeben; aber der Herr war nicht im Erdbeben. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der Herr war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen. Als Elia das hörte, verhüllte er sein Antlitz mit seinem Mantel, ging hinaus und trat in den Eingang der Höhle. Und siehe, da kam eine Stimme zu ihm und sprach.“
Das Laute, Mächtige, Ehrfuchtgebietende oder Angstmachende ist offenbar nicht die Sache Gottes. Er kommt und begegnet uns im Stillen, sanft. Wie die Liebe das eben tut. Das ändert nichts von heute auf morgen, Liebe braucht und schenkt Zeit, aber es ist der einzige Weg. Ein oft langer, aber notwendiger!
Denn Diktaturen, Kriege und Gewalt, alles, was uns bedroht, führt dazu, dass wir unser Herz schützen müssen, es verschließen. Wenigen ist es möglich, es in solchen Situationen offen zu halten.( Aber es gibt sie, Gott sei Dank!) Die anderen müssen den mühsamen Weg gehen, neu Vertrauen finden in das Gute, hoffen, dass es wieder ein Leben und eine Freiheit geben kann, die den Namen verdienen, v.a. Vertrauen haben in die Liebe, die alles verändert. Still und sanft! Aber dauerhaft. Das brauchen nicht nur Kinder, wenn sie gedeihen sollen. Dann werden sie stark und auch wehrhaft.
Das ist der Weg in eine andere Welt, den Gott verheißt. Die Zukunft gehört den Herzlichen! Die wirken sanft und in der Stille.
