Niederlassungen

Aktuelle Niederlassungen

Birkeneck

„Hund waren´s scho“ – würde der Bayer sagen. Mitten im 1. Weltkrieg „missionieren“ die Herz-Jesu-Missionare Bayern. Sie wissen, dass es, wenn überhaupt, nur über ein soziales Projekt gelingen kann, im noch bestehenden Königreich ein neues Ordenshaus eröffnen zu können. Und die Not ist ja auch groß dort. Nach zähen Verhandlungen bekommen sie die Genehmigung für eine „Fürsorgeeinrichtung“ für Jugendliche. Wir schreiben den 1.10.1918. Genau sechs Wochen vor Ende des Kriegs beginnt ein neuer Anfang. Zumindest für die 100 Jugendlichen, die das kleine Schlösschen in Hohenkammer (nördlich von Dachau) in kürzester Zeit füllen. Nebenbei: Wir (jedenfalls die meisten von uns 😉) neigen nicht zu Schlössern, aber bei 100 Jugendlichen zu der Zeit war das schlicht eine Platzfrage.

Genau deswegen, weil Hohenkammer nämlich aus allen Nähten platzte und 100 Jungs ja auch ernährt werden wollen, erwarb die Leitung der gerade erst gegründeten neuen österreichisch-oberdeutschen Provinz 1925 wohl als eine ihrer ersten Amtshandlungen ein anderes Schlösschen incl. 90 Ha Grund: Birkeneck, ehemals Jagschloss des Bischofs von Freising im 18. Jhdt.. Der Umzug dorthin erfolgte noch im gleichen Jahr.

Bis heute ist Birkeneck eine Jugendhilfeeinrichtung für sozial benachteiligte Jugendliche, die hier einen Platz finden, den sie in ihren Familien nicht mehr sehen. Vielfältige Gründe in ihrer alten Umgebung führten dazu, dass  sie ihre Lebenssituation nicht mehr ohne professionelle Hilfe bewältigen konnten. Die heilpädagogisch orientierte Hilfe geht einher mit schulischer Förderung (unter anderem in einer Grundschule für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf) und Berufsausbildung. Eine Besonderheit ist das Chevalierhaus, in dem minderjährige unbegleitete Flüchtlinge ein Zuhause finden und Unterstützung zur Integration bekommen. Wie viele soziale Einrichtungen leidet Birkeneck mittlerweile unter Personalmangel. Also herzliche willkommen, wer eine interessante Beschäftigung in diesem Bereich sucht.

In der Hausgemeinschaft in Birkeneck lebt ein Teil unserer älteren Mitbrüder, v.a. auch kranke oder anderweitig hilfsbedürftige, die hier betreut werden. Einige von ihnen waren einen Großteil ihres Lebens in der Einrichtung tätig. Da ein Missionar ja nie in Rente geht, sind die, die noch dazu in der Lage sind, weiter vielfältig aktiv: in der Seelsorge in unserer Klosterkirche und den umliegenden Pfarreien; mit Diensten im Haus und auf dem nach wie vor großen Gelände; in der Betreuung unseres Freundeskreises; mit der Bewahrung der Geschichte unserer Provinz (Archivar) und neuen Veröffentlichungen dazu; mit einer Ein-Mann-Bosnienhilfe, die fast auf dem gesamten Balkan Menschen mit allem versorgt, was die in ihrer Not brauchen können…..

Nicht zuletzt ist Birkeneck unser Tor zur Welt und betreut viele Gäste aus aller Herren Länder. Der Flughafen München ist nämlich next door, direkt hinterm Zaun vom Friedhof. Von wegen ruhe sanft!

Herz-Jesu-Missionare
Birkeneck 1
85399 Hallbergmoos
+49 (0) 811/82-0

mscbirkeneck@yahoo.de

Jugendwerk Birkeneck: www.birkeneck.de

Ehemalige Niederlassungen

Donauwörth (Heilig Kreuz)

Die wechselvolle Geschichte von Heilig Kreuz beginnt genau mit diesem, noch genauer: mit einem Partikel des Kreuzes Christi, das der adlige Herr Mangold nach einer diplomatischen Mission 1029 aus Konstantinopel mitbrachte. Seine Schwester scharte eine Gruppe von Damen zur Verehrung des Partikels um sich, aus der 1049 ein Benediktinerinnenkloster entstand, das aber während des Investiturstreits um 1070 bald wieder zerstört wurde. Auch     eine Neugründung danach hatte nicht lange Bestand. Die offenbar auf ihren alten Rechten beharrenden Frauen bekamen zunächst eine männliche Observanz. Es entstand ein Doppelkloster, dessen weiblicher Anteil aber 1125 aufgelöst wurde. In der Wirtschaft würde man sagen: eine feindliche Übernahme. Gleichzeitig begann der Bau einer völlig neuen Anlage für Heilig Kreuz an seinem heutigen Standort.

Trotz ständig wechselnder Besitzverhältnisse wurde das Kloster zu einem bedeutsamen Faktor in der Region, insbesondere auch bei der Rekatholisierung der Stadt Donauwörth nach deren zeitweiser Hinwendung zur Reformation. Es überstand die Schweden im 30-jährigen Krieg und auch den Brand der Stadt im Anschluss an die Schlacht am Schellenberg im Spanischen Erbfolgekrieg 1704. Selbst zwei heftige Bombardierungen im 2. Weltkrieg, die die Stadt fast völlig zerstörten, überstand Heilig Kreuz unversehrt.

Vor allem das 18. Jahrhundert wurde für die Abtei zu einer Zeit der Blüte auf allen Gebieten. Das Kloster erhielt zwischen 1717 und 1722 (vollendet erst 1735) eine neue Kirche im Stil des Barock, deren Pracht noch heute überwältigt.

In der Säkularisation ging das Kloster 1803 an die Fürsten von Oettingen-Wallerstein, bis es Ludwig Auer (1839-1914) 1877 erwarb. Ihm als Lehrer, später auch Buchverleger mit Buchdruckerei, lag eine von der Liebe getragene, breit angelegte katholische Erziehung am Herzen, die im Cassianeum, einem privaten katholischen Bildungsinstitut, ihren Ausdruck fand. Unter dessen Ägide entstand im Klostergebäude 1889 eine Schule mit Internat, die1935 von den Herz-Jesu-Missionaren übernommen wurde.

Aber es blieb wechselvoll.  Bereits 1938 musste der Schulbetrieb eingestellt werden. Im Krieg beherbergte das Cassianeum ein Lazarett der Wehrmacht, danach ein Flüchtlingslager. Aber bereits 1946 eröffneten Schule und Internat wieder den Betrieb.

Als einzige sechsklassige Realschule in der Region wuchs sie schnell. Neben der Schule beherbergte das Gebäude in den 60/70er Jahren zwischen 250-300 Interne in großer räumlicher Enge – bis zum Neubau der Schule 1978 an einem anderem Ort der Stadt. Internat und Tagesheim verblieben im Kloster, mussten aber 2016 wegen stark zurückgegangener Schülerzahlen geschlossen werden.

P.s.: Dass einzelne MSC das Schicksal des Heiligen Cassian erlitten haben sollen, der von seinen Schülern mit Schreibgriffeln erstochen wurde, ist ein Gerücht. Selbst der langjährige strenge Direktor erfreut sich noch hohen Alters und guter Gesundheit. 😉

 

Donauwörth 2021

Nach dem Tod von P. Blasius Mayer MSC im Mai 2020 musste der Orden die Niederlassung Donauwörth schließen.

 

Foto Header: Sophie Pamart