Wir haben gerade Ostern gefeiert, das Fest, in dem die Gewalt der Mächtigen den Tod für den Ohnmächtigen bringt, Gott aber ein starkes Plädoyer für das Leben setzt, indem er die Macht des Todes bricht und neues Leben schenkt.
Ein zunächst einmaliges Handeln an seinem Sohn, das er zum Versprechen für alle macht. Wie könnte er anders, wo wir doch alle seine Kinder sind. Wie könnte er anders, wo sich doch in allen Jahrhunderten Mächtige das Recht herausnehmen, sich zu nehmen, was ihnen nicht gehört. Zuvorderst das Leben der Ohnmächtigen! Selbst die Kirchengeschichte ist nicht frei davon, völlig konträr zum Auftrag ihres Stifters, Leben zu schützen und zu bewahren.
Dass Macht verblendet, ist eine Erfahrung, die offenbar allgemeingültig ist. Sie verblendet den Mächtigen und blendet den Schwachen, v.a. wenn dieser denkt, Anteil an dieser Macht zu haben, obwohl er schon lange ihr Opfer geworden ist und nur dazu missbraucht wird, die Macht der Mächtigen zu erhalten.
Wer nicht hören will, muss fühlen! Das ist die Sprache der Mächtigen. Vielleicht brauchte es die Erfahrung zweier Weltkriege, um diese Verirrung zumindest in Mitteleuropa außer Gefecht zu setzen. Vielleicht brauchte es diese Niederlagen der Verblendeten. Im Kleinen, in der Kindererziehung, dauerte es bis ins Jahr 2000, um sich von dieser Grundhaltung zumindest gesetzlich trennen zu können. Aber immerhin!
Im Großen gibt es noch erheblichen Nachholbedarf, jedenfalls in den meisten Regionen der Welt. Wie viele Niederlagen brauchen die Verblendeten noch, bis sie einsichtig werden in Bezug auf die negativen Folgen der Gewalt, die Folgen für die anderen, aber auch die für sie selbst?
Immerhin scheint es, von Ausnahmen abgesehen, Fortschritte im individuellen Bereich zu geben. Schwierig wird es – wie wohl schon immer – im Kollektiven: Sogenannte Fußballfans, die sich treffen, um sich gegenseitig zu verprügeln, Clans, die sich gegenseitig bekämpfen, um sich auszuschalten, Völker, die von einem von der Macht verblendeten in Kriege geschickt werden, in denen die Ohnmächtigen ihr Leben verlieren, während die Mächtigen in goldenen Sälen sitzen (das war auch schon zu allen Zeiten so). Wo bleibt der kollektive Aufschrei, die kollektive Ächtung der Gewaltbereiten?
Und wo bleibt der österliche Gott, der aus dem Tod neues Leben schafft?
Er zeigt sich in den Menschen, die seinem Beispiel folgen, die sich anregen lassen, dem Leben neuen Raum zu geben, wo es vom Tod bedroht wurde oder schon abgestorben ist. Die sich in ihm ein Beispiel nehmen und wissen, dass mit ein bisschen Liebe Licht in die dunklen Räume kommt, die sonst die Macht des bösen Handelns übernehmen. Das ist ein schwieriger Spagat: Einerseits das Böse zu ächten, damit es seine Macht in Frage stellen und aufgeben muss, andererseits ihm mit Liebe zu begegnen, damit es sich verändern kann. Damit es aus dem eigenen Tod auferstehen kann.
So gesehen ist Ostern an jedem Tag im Jahr möglich. Immer kann der Stein vom Grab gerollt werden. Durch jede gute Tat, die aus Liebe geschieht. Auch eine Macht, immer größer als die Macht der Unterdrückung. Der sie besitzt sieht, wo die Not ist; der sie besitzt, verändert die Welt zum Guten. Und wenn es gut läuft, kann er vielleicht den ein oder anderen Verblendeten erreichen. Dass der sehen lernt! „Das Kleine in der Welt hat Gott erwählt, um das Große zuschanden zu machen.“ (1 Kor 1,27) Es muss sich nur trauen!
