Hochfest vom Heiligsten Herzen Jesu

12.6.2026

Das berühmte Gemälde des Herzens Jesu von Pompeo Batoni.

Wer sich halbwegs im kirchlichen Festkreis auskennt, kennt natürlich auch dieses Hochfest, das im Jahr 1856 von Papst Pius IX. eingeführt wurde und heute immer am 3. Freitag nach Pfingsten gefeiert wird. Christus, die personifizierte, vollkommene Liebe, wird an diesem Tag ganz besonders unter dem Gesichtspunkt seines durchbohrten Herzens verehrt. Die Grundlage des Festes bezieht sich auf Joh 19,34, auf das durchbohrte Herz Jesu am Kreuz, aus dem noch nach seinem Tod Blut und Wasser fließen. Für die katholische Kirche ist dieses durchbohrte Herz der Ort, aus dem die Sakramente fließen als Quellen des Heils.

Neben der spirituellen Bedeutung hatte die Herz-Jesu-Verehrung immer wieder auch eine politische. Für die erste stehen im Hochmittelalter u.a. die Frauen von Helfta, im 17. Jhdt die französische Nonne Margareta Maria Alacoque und im Weiteren der Jesuitenorden, der die Verehrung im 18. Und 19. Jhdt. im Rahmen von Andachten und speziellen Gebeten zum Herzen Jesu zu einer großen Blüte führte.

 

Herz-Jesu-Feuer in Tirol

Herz-Jesu-Feuer in Tirol

Was heute vor allem ein beeindruckend schönes Schauspiel ist, war ursprünglich ein Zeichen des politischen Widerstandes: Als 1796 französische Truppen unter Napoleon I. das Land Tirol bedrohten, erbaten die Landstände den göttlichen Beistand des „Heiligsten Herzen Jesu“ gegen die Eindringlinge. Als Zeichen des Bündnisses aller Tiroler und für den gemeinsamen Kampfbeginn entzündeten sie damals religiöse Motive auf den Bergrücken und gelobten, das Herz-Jesu-Fest jährlich zu feiern. Bis heute halten sie ihr Versprechen.

Politisch missbraucht wurde das Herz-Jesu dann insbesondere in den Kriegen der Neuzeit, wo es nicht selten vorkam, dass beide Kriegsparteien mit einem Herz-Jesu-Banner in die Schlacht zogen, immer mit der Idee im Hinterkopf, dass sich deswegen der Sieg auf ihre Seite wenden würde. Während sich der Sieger bestätigt fühlen konnte, musste der Verlierer sich ordentlich betrogen fühlen. Gehalten hat sich diese etwas eigenartige Vorstellung vom Handeln Gottes bis heute in der Vorstellung vom „Fußballgott“, der angeblich auch parteiisch sein soll 😉. Das ist heute so schräg, wie es schon damals war.

Die Sicht unseres Gründers auf das Herz Jesu als einziges Heilmittel gegen Gleichgültigkeit und Egoismus in Gesellschaften verbindet die spirituelle und politische Dimension der Herz-Jesu-Verehrung – weit weg von spiritualisierter Überhöhung oder politischem Missbrauch.

Beide, Gleichgültigkeit und Egoismus, verbindet die gleiche Wurzel: der frühe Mangel einer liebenden Beziehung. Ohne erfahrene Liebe in den frühen Lebensjahren kann das zarte Pflänzchen der Liebe nicht gedeihen, geschweige denn ein Baum werden, der sich gegen diese beiden Grundübel und ihre Folgen stellen kann: Gegen die Gleichgültigkeit, der der andere egal ist, die andere Menschen in Kriegen für eigene Machtinteressen opfert. Für den Egoismus des „ich zuerst“, der sich nimmt, was er will und es auch noch „gerecht“ findet, wenn der eine hungert und der andere nur mal zum Zeitvertreib ins All fliegt, „weil die Erde von oben so schön blau aussieht“. Die Beispiele ließen sich beliebig verlängern. Was für ein Mangel an Herz! Was für ein Mangel an Menschlichkeit!

Wie heilsam könnte es sein, das Herz Jesu nicht nur zu verehren, sondern sich ihm zu nähern, zu spüren, was es heißen kann, ein Herz zu spüren, was es heißen kann, ein Herz zu haben. Das ist der Auftrag unseres Gründers an uns, seine Nachfolger.  Das soll unser Dienst an dieser Welt sein – zusammen mit all denen, die Zugang zu ihrem Herzen haben. Wie schwer das manchmal sein kann, wusste P. Chevalier aus eigener Erfahrung. Aber er ließ nicht locker. Das wollen wir auch nicht! Drum: AMETUR UBIQUE TERRARUM COR IESU SACRATISSIMUM IN AETERNUM (Überall auf der Erde sei das Heiligste Herz Jesu geliebt). Weil es die Welt verändern kann!

 

 

 

 

 

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